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[ PROJEKT ]

Grenzhafen

Hafendenkmal und schwimmendes Kulturensemble. Der Grenzhafen Berlin verwandelt einen ehemaligen Grenzort in ein öffentliches Ufer, geprägt von Erinnerung und zeitgenössischem Stadtleben.
BAUHERR
Grenzhafen Berlin GmbH
STANDORT
Berlin, Deutschland
JAHR
2025
[ ÜBERBLICK ]

Mit dem ersten Preis in einem eingeladenen Wettbewerb ausgezeichnet, verwandelt Grenz- und Museumshafen Berlin den ehemaligen Grenzhafen in ein kulturelles Ufer, an dem Geschichte, Landschaft und öffentliches Leben zusammenfließen. Als durchgehende historische Promenade konzipiert, reaktiviert das Projekt den bestehenden Kai durch eine Abfolge von Museumsräumen, schwimmenden Plattformen, historischen Schiffen und öffentlichen Einrichtungen.

Anstatt ein neues architektonisches Objekt aufzusetzen, macht der Eingriff die historischen Schichten des Ortes sichtbar und stärkt sie, sodass die ehemalige Grenzinfrastruktur und die Spree zu den eigentlichen Protagonisten des Besuchererlebnisses werden. Durch leichte, reversible und umweltsensible Strukturen schafft das Projekt ein neues kulturelles Wahrzeichen und bewahrt zugleich die einzigartige Identität dieses geschichtsträchtigen Ortes.

Grenzhafen Berlin

Die Intervention am Grenzhafen Berlin erfolgt aus Respekt vor der historischen Substanz des Grenzhafens und seinem Umfeld als geschütztes Denkmal. Die gebauten Strukturen treten bewusst zurück, um den Ort museal zu kontextualisieren und sich landschaftlich und städtebaulich fließend in die Spree einzufügen.

Das Museum ist ein Geschichtspfad entlang des Grenzstegs – eine räumliche Erzählung, geformt aus den historischen Schichten des Ortes, wodurch der Steg selbst zum bedeutendsten Ausstellungsobjekt des Ensembles wird. Dafür wird eine schwimmende Pontonanlage entlang des Steges installiert, damit die Substanz des Baudenkmals beibehalten und dessen Bedeutung hervorgehoben wird. Geplant ist ein horizontaler, durchgängiger Pfad: eine geschichtliche Schichtenerfahrung, in der Besucher symbolisch die Ebenen aus Geschichte, Erinnerung und Transformation durchschreiten – nicht als klassische Wissensvermittlung, sondern als sinnliches, interpretatives Erleben. Die Geschichte wird spürbar. Der Fluss wird erlebbar.

Am Ende der Eichenstraße wird das Dach des Hauptpavillons über zwei Rampen erschlossen, die wie Landungsbrücken wirken. Diese schwebende Topografie bietet einen öffentlichen Platz mit Ausblicken über die Spree, den Osthafen und den Grenzsteg – mit Sitzflächen, Liegeflächen, begrünten Elementen und Wasservernebelung im Sommer als Beitrag zur Klimaresilienz. Von der Platzfläche ergeben sich pittoreske Sonnenuntergänge hinter einem Ensemble von Oberbaumbrücke und Fernsehturm. Eine integrierte Theke unterstreicht den multifunktionalen Charakter der Platzfläche. Die Erschließungsrampen sind barrierefrei und für Boote mit einer Höhe von bis zu 3,50 m unterfahrbar.

Vom Platz führt eine repräsentative Treppe mit weiten Podesten zum Pavillon auf Wasserhöhe. Diese inszenierte Abstufung ermöglicht ein Eintauchen in die Geschichte und schafft Distanz zur Stadt, um den kontemplativen Raum ungestört erleben zu können. In dieser Ebene befinden sich der Empfang mit Zugang zur außenliegenden Ausstellung, der Ausstellungsraum mit alternativen Nutzungsmöglichkeiten, insbesondere für Veranstaltungen, und die Cafeteria mit Außenterrasse auf Spreeniveau. Die Nähe zum Wasser und die verspiegelte Decke verwandeln den Raum in ein Ausstellungsobjekt, in dem Licht und Reflektionen Teil der Inszenierung sind. Die Ausstellung findet in filigranen, stelenartigen Stützen statt und ermöglicht eine intime, sensorische Erfahrung, in der gefiltertes Licht, gedämpfte Wassergeräusche und gerahmte Ausblicke eine introspektive Erzählung bieten. Der Hauptpavillon umfasst zudem Büroflächen, Garderobe, Sanitärräume und Technikflächen. Ein Aufzug gewährleistet die barrierefreie Erschließung aller Ebenen und ermöglicht die getrennte Erschließung des Grenzhafenmuseums auf der einen sowie des Binnenschifffahrtsmuseums und der Marina auf der anderen Seite.

Vom Empfangsbereich führt der Geschichtspfad nach außen auf eine schwimmende Pontonanlage, die sich an die historische Steganlage schmiegt und mit Ausstellungselementen und Informationstafeln den historischen Kontext vermittelt. Der Geschichtspfad findet sein Ende beim kleineren Gedenkpavillon – einer schwimmenden Plattform als erweiterter Ausstellungsbereich, der eine unmittelbare Wahrnehmung der Umgebung und Reflexion über den historischen Kontext eines geteilten Berlins ermöglicht.

Auf der Westseite des Grenzstegs befindet sich das Binnenschifffahrtsmuseum mit acht Museumsschiffen, die in ihrem ursprünglichen Hafenkontext eingebettet an einem langen Steg aufgereiht sind und als mobile Ausstellungsräume sowie für Gastronomie dienen. Das Binnenschifffahrtsmuseum verfügt über einen unabhängigen Zugang von Land über eine Rampe an der Ostfassade des Hauptpavillons. Eine große schwimmende Plattform von 500 m² östlich des Querstegs erschließt das Binnenschifffahrtsmuseum, die Marina und eine Anlegestelle für Fahrgastschiffe und dient gleichzeitig als Aufenthalts- und Ausstellungsraum. Von dort führt ein 150 m langer Ponton gen Osten, der den Zugang zu den Museumsschiffen und ihre technische Anbindung gewährleistet.

Die Marina bietet Anlegestellen für insgesamt 60 Boote, erschlossen über einen 137 m langen schwimmenden Hauptsteg mit fünf Nebenstegen. Ein Servicepavillon am Ende des Hauptstegs umfasst Rezeption, Cafeteria, Sanitäranlagen, Duschen und eine Terrasse für die Nutzer der Marina.

Die gebauten Strukturen werden als Stahlkonstruktionen mit punktuellen Verankerungen im Flussbett ausgeführt; kleinere Pavillons schwimmen auf der Wasseroberfläche. Der außenliegende Stahl wird durch eine kontrollierte Rostpatina geschützt, die das Gebäude zugleich in das Netzwerk der Gedenkstätten mit Bezug zur Berliner Mauer einreiht. Die Pontons werden als thermobehandelte Holzstege ausgeführt. Nachts wirkt der Pavillon durch die großflächige transluzente Fassade und die unterseitig beleuchtete Steganlage wie ein sanft leuchtender Körper, der sich in der Spree spiegelt und eine zeitlose Anmutung entfaltet. Die Spree als Kaltluftschneise und die unmittelbare Nähe zum Wasser dienen als natürliche Kühlung. Die verbauten Materialien werden nach dem Kriterium der Langlebigkeit und einem geringen ökologischen Fußabdruck ausgewählt; durch die modulare Konstruktion ist der Baukörper leicht wieder demontierbar.

Architekten: Wilk-Salinas Architekten

Projektsteuerung: KVL Group

Wasserbau: Dr. Belaschk beratend / Eisfeld Ingenieure AG

Tragwerksplanung: Böhm Element Montagen GmbH

Technische Gebäudeausrüstung: Bohne Ingenieure

Brandschutzplanung: Freie Ingenieure Bau Dr. Belaschk + Krätschell PartGmbB

Vermessung: Vermessungsbüro Dipl.-Ing. Knut Seibt

Energieberatung: Institut für Schalltechnik, Raumakustik, Wärmeschutz Dr.-Ing. Klapdor GmbH

Geotechnik: MKP Müller-Kirchenbauer und Partner GmbH

Akustikplanung: Institut für Schalltechnik, Raumakustik, Wärmeschutz Dr.-Ing. Klapdor GmbH

Projektsteuerung: I.Q. Projektmanagement GmbH

Lichtplanung: Saier Electric GmbH

Verkehrsplanung: HOFFMANN-LEICHTER Ingenieurgesellschaft mbH

Projektteam: Stella Loewer, Luis Hagemann, Şeyda Bülbül, Johannes Nowak und Laura Zamora

 

Bildnachweis

Visualisierungen 01–04: Wilk-Salinas Architekten + XOIO

Video: Wilk-Salinas Architekten + XOIO

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