BLUMENPAVILLON
Das Projekt BLUM ist die zeitgenössische Neuinterpretation des Blumenpavillons im Rahmen der vollständigen Revitalisierung des denkmalgeschützten Ensembles des Fürst-Pückler-Museums, Park und Schloss Branitz.
Volumen, Konstruktion und Materialität stehen dabei in engem Dialog mit dem historischen Bestand der ehemaligen Schlossgärtnerei. Der Entwurf baut auf den beiden bestehenden Gebäuden – dem Oberhaus als Café und dem rekonstruierten Blauen Haus als Gewächshaus – auf und ergänzt diese durch drei neue Baukörper: den Blumenpavillon, das Vermehrungshaus und die verbindenden Korridore.
Die Hauptnutzung besteht ganzjährig als Pflanzenhaus; in den Sommermonaten können Blumenpavillon und Vermehrungshaus zusätzlich für Ausstellungen und Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen genutzt werden.
Das architektonische Konzept orientiert sich an den Skizzen von Fürst Pückler. Die historischen Fundamente wurden anschließend genau dort gefunden, wo das Projekt platziert worden war.
Alle Baukörper werden über eine gemeinsame Trauflinie zu einem harmonischen Ensemble zusammengefasst. Die Verbindungsbauten schaffen kurze Wege zwischen den Nutzungsbereichen und bilden einen überdachten Vorplatz als Eingangs- und Aufenthaltsbereich, der den Café-Garten mit der Staudenschale verknüpft. Sämtliche Gebäude sind ebenerdig und barrierefrei miteinander verbunden.
Die Pflanzen im Interieur übernehmen die Anordnung der Pflanzen des Oberhauses und spiegeln so die historische Idee wider: Weinpflanzen an den Fassaden verbessern das Mikroklima und bilden in den Sommermonaten eine natürliche Verschattung.
Die Materialität wird durch filigrane Rahmenkonstruktionen aus Stahl sowie großflächige Glasfassaden bestimmt. Die technische Gebäudeausrüstung umfasst automatisch gesteuerte Fenster und Lüftungsklappen, eine Grundtemperatur von 5–10 °C im Winter mit Schneeheizung, dimmbare Beleuchtung sowie Daten-, Trinkwasser- und Brauchwasseranschlüsse in allen Bereichen.
Der Umgang mit dem denkmalgeschützten Bestand ist zentral: Die historischen Fundamente bleiben vollständig erhalten und werden überbaut; bauliche Eingriffe beschränken sich auf geringfügige Treppenanpassungen und minimale Geländemodellierungen.
Die Gründung erfolgt auf Bodenplatten mit lokalem Bodenaustausch aufgrund der schwierigen Baugrundverhältnisse im Bereich des Blumensees.
Nachhaltigkeit spielt auf allen Planungsebenen eine wichtige Rolle, geschaffen durch eine einfache und materialsparende Bauweise, den Einsatz von CO₂-reduziertem Beton, einen energieeffizienten Winterbetrieb und die minimale Veränderung der Freianlagen.
Das Projekt verbindet Denkmalschutz, zeitgenössische Architektur, Gartenbau und Nachhaltigkeit zu einem sensiblen Gesamtkonzept, das die historische Schlossgärtnerei als moderne Weiterführung ihrer ursprünglichen Funktion interpretiert.