BWH LIESENBRÜCKEN
GESCHICHTE
Der Ursprung der Idee und federführende Architekten des Liesenbrücken-Projekts sind Ana Salinas und Gilbert Wilk von Wilk-Salinas Architekten. Die Vision entstand 2006 während eines Spaziergangs auf dem Berliner Mauerpfad. Ursprünglich war der Einbau eines Boutique-Hotels in die große Brücke geplant. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das Konzept weiter zu einem multifunktionalen Ensemble.
Nach langen Verhandlungen mit der Deutschen Bahn und dem Landesdenkmalamt wurde das Projekt immer weiter geschärft und gewann zunehmend die Zustimmung und Wertschätzung von Behörden, Anwohnenden, Architekt*innen und Ingenieur*innen. 2017 stieg die CapRate-Gruppe als Investor ein, und gemeinsam mit einem hoch kreativen und engagierten Ingenieurteam wurde das geschätzte Projekt weiterentwickelt, bis die LP4 abgeschlossen und die Genehmigung erteilt werden konnte. Aktuell hat die Deutsche Bahn die Brücke zurückgefordert, und das Projekt befindet sich derzeit in der Warteschleife.
PROJEKT
Die Liesenbrücken im Berliner Bezirk Mitte gehören zu den letzten erhaltenen Zeugnissen der ehemaligen Nord-Süd-Eisenbahnstrecke. Die beiden Stahlbrücken, die bis heute erhalten sind, wurden zwischen 1896 und 1897 errichtet und sind charakteristische Beispiele wilhelminischer Ingenieurskunst – ursprünglich waren es vier Brücken, von denen jedoch zwei abgerissen wurden.
Über Jahrzehnte hinweg, wurden sie mehrfach verstärkt, um dem steigenden Eisenbahnlastenstand standzuhalten. Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961, die unmittelbar über den Gleisen verlief, verlor die Strecke ihre Bedeutung und die Brücken gerieten in ein städtisches Niemandsland.
Herzstück und kreativer Ausgangspunkt des gesamten Bauvorhabens sind die Liesenbrücken. Nach den Plänen von Wilk-Salinas Architekten soll die größere der beiden zu einem dreigeschossigen, barrierefreien und öffentlich zugänglichen Veranstaltungsort mit zirka 2.000 m² Bruttogeschossfläche transformiert werden. Die neuen Baulichkeiten fügen sich in das Stahlkorsett der bestehenden Bogenbrücken ein. Die Innenstruktur des Objektes bleibt luftig, mit variablen, offenen und großflächigen Räumen. Sichtbar bleibt die stählerne Fachwerkkonstruktion des Eisenbahndenkmals, die zur Visitenkarte des neuen Veranstaltungsortes wird. Nach derzeitigem Stand erscheint eine kulturelle oder gastronomische Nutzung ebenso denkbar wie die Belegung durch einen oder mehrere Dienstleister.
Die kleinere der Liesenbrücken wird nach umfassenden Instandsetzungsarbeiten als Fuß- und Radweg in eine neue Grünverbindung zwischen dem Humboldthain und dem Park am Nordbahnhof integriert. Damit wird die Möglichkeit, längere Strecken abseits des Straßenverkehrs zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen, wesentlich erweitert, und zugleich werden diese beiden bekannten und viel besuchten Parks der Stadt miteinander verbunden.
Ergänzt wird das Gesamtprojekt durch einen Neubau auf dem angrenzenden Grundstück an der Scheringstraße. Dieses Gebäude dient als Eingang zur Brücke und beherbergt zugleich den wirtschaftlichen Motor des Gesamtensembles, eine Hotelnutzung. Die Grundriss Organisation und Geometrie der Geschosse wurde so optimiert, dass alle Innenräume die Qualität erhalten, die ein derart ikonisches Projekt verdient.
Das Liesenbrücken-Projekt verbindet Denkmalschutz, zeitgenössische Architektur und städtebauliche Vernetzung. Es schafft eine neue öffentliche Achse zwischen zwei wichtigen Grünräumen und verwandelt ein lange vernachlässigtes Areal in einen lebendigen Ort der Begegnung und Erinnerung, direkt am Mauerradweg und in zentraler Lage nahe dem Hauptbahnhof.